Tagsüber sind die inneren Geräusche weniger wahrnehmbar, da sie von äußeren Geräuschen überdeckt werden. Das Problem tritt jedoch mit Einbruch der Dunkelheit auf. Die Stille verstärkt sich, und die inneren Geräusche werden deutlicher wahrnehmbar, was den Betroffenen am Einschlafen hindert. Sie werden nervös, leiden unter Schlaflosigkeit und geraten in einen Teufelskreis, der sich auf andere Aspekte ihrer Gesundheit auswirkt.
Genau dies veranlasste Forscher der Universität Calgary (Kanada) und der Medizinischen Hochschule Hannover (Deutschland), sich eingehender mit dem Thema zu befassen. Die Wissenschaftler konnten die Ursache des Ohrgeräusches ermitteln und veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Hearing Research“.
Dazu untersuchten sie die Entwicklung tonotoper Karten (die Verteilung der im Ohr und Gehirn wahrgenommenen Schallfrequenzen) bei Tieren. Sie entdeckten, dass das Auftreten von Tinnitus eine gefestigte und genutzte somatotopische Karte voraussetzt, die zur Ausbildung des entsprechenden somatischen Gedächtnisses führt. Das Fehlen dieser Erfahrung erklärt das Ausbleiben von Tinnitus bei beidseitiger und einseitiger angeborener Taubheit.
Den Forschern zufolge muss man, um an Tinnitus zu leiden, vor dem Hörverlust ein auditives Gedächtnis besitzen. Gehörlose Menschen leiden nicht an Tinnitus.