„Sir, in meinem Haus wohnt ein Junge.“ Das sagte das arme Mädchen.

„Sir, in meinem Haus wohnt ein Junge.“ Das sagte das arme Mädchen.

Dort sah ihn niemand als Millionär an. Niemand kannte seine Firmen oder seine Magazincover.

Dort war er nur ein Mann mit roten Augen, der Plakate aufhängte, ein Vater, der unter Sehnsucht litt.

Er blieb an einem rostigen Pfosten stehen und holte tief Luft, bevor er ein weiteres Plakat aufhängte.

Das Klebeband klebte an seinen Fingern, das Papier war zerknittert, und er versuchte, es mit einer Sanftheit zu glätten, die er nicht mehr besaß. Während er das Foto glattstrich, flüsterte er fast lautlos:

Jemand muss dich gesehen haben, mein Sohn… jemand…

Der Wind trug Hitze, Staub und Erinnerungen mit sich. Die Welt schien sich weiterzudrehen, als ob sich niemand um seinen Schmerz kümmerte.

Hier fühlte er sich lächerlich, klein, absurd mit diesem Stapel Papier in der Hand. Er wollte gerade zum nächsten Beitrag übergehen, als er hinter sich eine leise Stimme hörte:

—Mein Herr… dieses Kind wohnt in meinem Haus.

Er erstarrte. Sein Herz, das schon seit Monaten alarmierend schnell geschlagen hatte, pochte so heftig, dass es ihm fast den Atem raubte.

Langsam drehte er sich um, als fürchte er, eine plötzliche Bewegung würde die Illusion zerstören, und erblickte ein barfüßiges Mädchen in einem abgetragenen Kleid mit riesigen Augen.

Sie blickte ihn mit einer Mischung aus Schüchternheit und Selbstvertrauen an.

“Was… was hast du gesagt?”, stammelte er.

Das Mädchen zeigte auf das Plakat.

„Es ist ein Kind“, wiederholte sie, als spräche sie über etwas völlig Normales. „Er lebt bei mir und meiner Mutter.“

Herpas Beine gaben nach. Einen Moment lang dachte er, er träume, der Schlafmangel spiele ihm einen Streich. Er hockte sich hin, um auf ihrer Höhe zu sein.

„Bist du sicher?“, fragte er und versuchte, das Zittern in seiner Stimme zu verbergen. „Bist du sicher, dass er es ist … dieser Junge hier?“

Das kleine Mädchen runzelte die Stirn, betrachtete das Foto aufmerksam und nickte wie selbstverständlich.

—Ja. Er spricht kaum. Er zeichnet ständig und weint nachts. Manchmal murmelt er etwas… ruft nach jemandem.

„Wer?“, entfuhr es ihm wie ein verzweifeltes Flüstern.

„Papa“, antwortete sie, ohne zu ahnen, dass sie damit gerade einen Riss in der Welt dieses Mannes geöffnet hatte.

Herpa hatte das Gefühl, ihm ginge die Luft aus.

Alles, was er ein Jahr lang unterdrückt hatte, brach plötzlich in seiner Brust hervor: Lorenzos Lachen auf den Fluren, seine an die Tafel gehefteten Zeichnungen, eine Stimme, die ihn um drei Uhr morgens nach einem Albtraum rief.

Er musste die Augen schließen, um nicht mitten auf der unbekannten Straße hinzufallen.

„Wohnen Sie weit weg von hier?“, fragte er und klammerte sich an diese letzte Hoffnung wie an einen Rettungsanker.

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